Die Geschichte des Einsatzzenters

Am 13. Juni 1955 gründete Arsène Stracks, einer der ersten Instruktoren in der Ersten Hilfe, nach einem Kursus eine „Sekuristensektion“ des Roten Kreuzes. Der erste Einsatz mit einem Krankenwagen wurde im Jahre 1960 gefahren. Im Jahre 1961 wurde die „Sekuristensektion“ geschlossen und die Helfer sind in den Dienst der Protection Civile eingetreten.

Zwischen der Gründung der „Sekuristensektion“ waren bis 1958 keine Aktivitäten zu verzeichnen. In Petingen war ein Privatmann welcher mit seinem Taxi Ambulanz „spielte“. Der Ausdruck „spielen“ lässt sich folgendermaßen erklären: Es war der Elektrikermeister Thull aus der rue Michel Rodange  der eine amerikanische Limousine besaß die auch als „Krankenwagen“ diente. Jedes Mal wann der Krankenwagen benötigt wurde, musste die hintere Sitzbank ausgebaut werden. Anschließend wurde dann durch den Kofferraum die Trage in die Limousine geschoben. Am Einsatzort mussten dann Familie, Freunde, Nachbarn und Passanten helfen den Kranken oder Verletzten aufzunehmen da Herr Thull immer alleine unterwegs war. Im Petinger Krankenhaus waren es dann  die Schwestern welche halfen den Patienten auszuladen. Ende 1958 entschied sich die Gemeindeverwaltung Petingen einen Krankenwagen zu kaufen. Nach dieser Entscheidung versammelten sich die Gründungsmitglieder auf Initiative von Arsène Stracks welcher ebenfalls einen Erste Hilfe Kursus abhielt. Dieser Kursus wurde von einem Dutzend Studenten im Alter von 16 bis 17 Jahren besucht. Im Anschluss an den Grundkursus motivierte Arsène Strack, nach langem Zureden, die Kursteilnehmer sich in der Protection Civile einzuschreiben, so dass man dann 22 Leute in der Sektion zählte. Daraufhin schlug Arsène der Gemeindeverwaltung vor dass die Sektion der Protection Civile dann den Ambulanzdienst in Petingen übernehmen könnte. Die Gemeindeverwaltung stellte den Helfern dann einen Schulsaal im ersten Stock in der alten Mädchenschule in der rue Gillardin, welche damals Groussstroos hieß (heute stehen da die „Paschtéieschhaiser“) zur Verfügung. Im Dezember 1959 wurde dann der neue Krankenwagen geliefert und die Sekuristen sind in den Keller des neuen Kindergartens, neben dem alten Feuerwehrgerätehaus, umgezogen. Der Krankenwagen bekam Unterstand in einer Garage hinter dem alten Feuerwehrgerätehaus.Der Schöffenrat entschied dass ein Gemeindefahrer mit 2 Sekuristen den Krankenwagen besetzten. Tagsüber konnte die Bevölkerung welche Hilfe benötigte  den Pförtner des Rathauses, Herrn Welter,  über das Telefon der Gemeinde (57001) erreichen. Nachts, samstags und sonntags war dann der Pförtner des Feuerwehrgerätehauses, Herrn Lippert welcher den Spitznamen „Wise Lé“ hatte, der Fahrer, welcher über das Telefon der Polizei (57106) alarmiert wurde. War die Polizeidienststelle nicht besetzt fuhr auch kein Krankenwagen da niemand das Telefon abnehmen konnte. Die zwei Pförtner riefen dann die diensthabenden Sekuristen per Telefon. Am Samstag, den 16. Januar 1960 wurde die Ambulanz, eine Ford FK 40, vor dem Rathaus eingeweiht. Schon damals, wie heute fanden die Fortbildungen immer am Montagabend statt. Damals war es aber so dass man in der weißen Schürze an der Ausbildung teilnehmen musste. Am Montag, den 18. Januar, abends gegen halb 9, Arsène war gerade dabei den Dienstplan aufzustellen, kam Lé hereingestürmt, völlig außer Atem „mir mussen fueren, mir sin geruff gin“. Selbstverständlich war es dann Arsène und die Präsidentin Wagener Annette welche den ersten Einsatz mit dem neuen Krankenwagen gefahren sind. Die anderen Anwesenden wären auch gerne mitgefahren und da hatte einer der Älteren die gute Idee dass die restlichen 16 Anwesenden mit 3 Privatautos zum Einsatzort nachgefahren sind. In Rodange, in der rue du Clopp angekommen, waren die 3 von der Ambulanz bereits im Haus der älteren Dame. Die Frau staunte nicht schlecht als sie mit der Trage aus dem Haus getragen wurden und die restlichen 16 Helfer draußen warteten.

1960 waren 105 Einsätze zu bewältigen, aufgeteilt in 91 Krankentransporte und 14 Verletzten, Zusätzlich waren wir auch noch auf Vorführungen in Grevenmacher und in Perl.

1961 wurde die Protection Civile unter dem Major Max Brahms wieder reaktiviert und alle Mitglieder der „Péitenger Sekuristen“ sind zusammen in die Protection Civile eingetreten und das Zenter wurden dann zu UMA 2 (Unité médicale avancé), Steinfort UMA 1. Die Feuerwehr Petingen gründete eigentlich den Zenter Petingen zusammen mit der Feuerwehr Steinfort und Stracks Jean wurde erster Zenterchef, und Wagener Annette wurde zum Administrateur der UMA ernannt. Die zwei Einheiten waren unabhängig und  voneinander getrennt, die Feuerwehr als Service Incendie, und Ambulanzsektion als section secourisme.

1962, am 1. Juli war eine große Vorführung über Erste Hilfe in Wiltz, sozusagen eine von den ersten „Journée de la Protection Civile“, an dieser Vorführung nahmen Sekuristen aus Esch, Differdingen, Steinfort und Petingen teil.

1963 wurde die nationale Schule in Schimpach eingeweiht. Im selben Jahr waren 4 Sekuristen aus Petingen Europameister in der Ersten Hilfe. An der Europameisterschaft, welche in Geemert (Holland) stattfand nahmen Sekuristen aus ganz Europa teil. Jean Stracks trat ebenfalls im selben Jahr als Zenterchef zurück da er Chef de Groupe bei der Protection Civile wurde. Seinen Posten übernahm Ferdinand Georges der bis zu dieser Zeit Sektionschef bei der Feuerwehr Petingen war.geschicht2

Im September 1964 bekam die UMA dann ihre erste Protexambulanz überreicht, ein Wellblech Citroen auf der die Sekuristen dann auch selbst fahren konnten. Der alten Krankenwagen der Gemeinde fuhr bis dahin 656 Einsätze in 5 Jahren,  heute werden in 4 Montaten die gleiche Anzahl von Einsätzen bewältigt.

1966 organisierten wir eine größere Übung in Schimach an der die UMA und die Feuerwehr Petingen teilnahmen. Im gleichen Jahr, am 21. Mai wurde der Notruf 012 in Betrieb genommen.

1967 wurde Albert Rischette zum Commissaire communal der Protection Civile ernannt, niemand wusste so genau welche Funktionen  und welche Aufgaben sie hätten. Albert gründete und baute eine „Sekuristensektion“ in Schouweiler / Dippach auf. Diese Sektion bekam von der zuständigen Gemeindeverwaltung einen Übungsraum in dem Gemeindelokal „Tajel“ zur Verfügung gestellt.

1968 wurde Jean Stempel zum Zenterchef ernannt. Ausserdem fand eine grosse Übung statt an der die Feuerwehr Petingen, Rollingen, die UMA und die Sekuristen aus Dippach teilnahmen.

1969 wurde die neue Schule „an Eigent“ fertiggestellt und die Sekuristen bekamen eine grössere Garage im Keller der Schule, noch immer hatte mein keine Toiletten und kein fliessendes Wasser.

1971, am 17.geschicht6 November fand in Petingen im „Home“ eine Versammlung der Direktion der Protection Civile und allen Einsatzkräften aus der Umgebung statt. Jean Stempel hatte gute Ideen die von der Direktion der Protection Civile unterstützt wurden.  Die UMA wurde aufgelöst und in das Einsatzzenter integriert. Das Zenter bestand ab jetzt aus den Sektionen „Incendie“ Petingen, Rollingen und Rodingen, den Secouriste-ambulanciers aus Petingen, den Sekuristen aus Linger und Dippach, dem Sauvetage einer Sektion NBC und einer Sektion Welfare. Die Feuerwehr Niederkerschen hatte sich bereit erklärt die Aufgaben des Sauvetage zu übernehmen da keine Feuerwehr Einheit aus der Gemeinde Petingen diese Aufgaben erlediggeschicht5en wollte. Das Zentrum trug ab jetzt den inoffiziellen Namen „Sud 1“. Nach und nach zogen sich die Feuerwehren aus der Gemeinde Petingen aus dem Zenter zurück und so wurde das Zenter in Petingen / Niederkerschen umbenannt, Petingen für die Ambulanzeinheit und Niederkerschen für die Sauvetageeinheit. Ab 1971 waren sämtliche Mitglieder der Feuerwehr Niederkerschen auch Mitglieder der Protection Civile.

1972 bekamen das Einsattzenter einen Sauvetagetruck und einen Laster aus den alten Beständen der Armee welche nur blau um lackiert wurden. Der Laster kam bis nach der Vergrößerung des Einsatzzenters in Niederkerschen bei der Feuerwehr Petingen unter.

1973 wurden eine neue Ambulanz geliefert, eine Opel Admiral, die Wellblechambulanz blieb als Reserve Ambulanz im Einsatzzenter. Da kein Platz  mehr in der alten Garage war kam die neue Ambulanz im Keller der Eigent Schule unter. Die Citroen Wellblechambulanz blieb in der alten Garage da die Höhe der neuen Garage nicht ausreichend war.

1974 hat die Gemeindeverwaltung Niederkerschen das Feuerwehrgerätehaus nochmals vergrößert sodass  die Citroen Ambulanz nach Niederkerschen kam.geschicht3

1975 wurde der „Santésdingscht“ eingeführt, da viele Allgemeinpraktiker keine Hausbesuche, besonders am Wochenende, machen wollten. Santé 1 war Luxemburg Stadt, Santé 2 war das Einsatzzenter Petingen/Niederkerschen welches zuständig war für die Gemeinden Petingen, Differdingen, Niederkerschen, Dippach, Küntzig, Garnich und Sassemheim. Santé 3 waren die Gemeinden rund um Düdelingen. Das Einsatzzenter bekam om Gesundheitsministerium ein Auto, Renault 16 mit Funk zu Verfügung gestellt. Der Fahrer wurde vom Einsatzzenter gestellt. Der Dienst begann samstags um 12 Uhr und endete am Sonntag um Mitternacht. Wenn der diensttuende Arzt aus den Gemeinden Petingen oder Niederkerschen war, wartete der Fahrer im Krankenhaus in Petingen und wenn der Arzt aus Differdingen wartete man im alten Krankenhaus in Differdingen um Tillebierg. Alle 9 Stunden war Dienstwechsel der Fahrer. Der Arzt war 36 Stunden ununterbrochen im Dienst. Die Notrufzentrale 012 rief ins jeweilige Krankenhaus an und von da fuhr der Fahrer zum Arzt nach Hause und anschließend zum Patienten. Dieser Dienst hat gut funktioniert und die Ärzte waren zufrieden da sie nicht selbst fahren mussten, keine Adressen suchen mussten und auch nicht selbst telefonieren mussten. Nach 7 Jahren, mit im Duchschnitt zwischen 30 und 50 Einsätzen pro Wochende wurde 1982 der Santé 2 und Santé 3 aus Geldmangel abgeschafft. Diese Abschaffung war nur schwer zu verstehen da die Ärzte den Kraftstoff selbst bezahlten und der Santé 1 in der Hauptstadt noch einige Jahre weiter lief.

1978 kam wiederum eine neue Ambulanz, des Typs Opel Admiral in Petingen an. Die Wellblechambulanz wurde abgeschafft, und man hatte 2 moderne Ambulanzen, eine war in Niederkerschen und eine Petingen stationiert.

1980 war Herr Putzeys Beifahrer während einem Krankentransport von Paris nach Esch. Unterwegs unterhielten sich der Sekurist und Herr Putzeys  über den Ambulanzdienst.  Das bestehende Einsatzzentrum entsprach nicht mehr den Bedürfnissen und nachdem schon mehrere Jahre in den Generalversammlungen von den Gemeindeverantworlichen eine Lösung versprochen wurde aber nichts unternommen wurde. Herr Putzeys meinte nur wenn er einmal Bürgermeister von Petingen  werden sollte würden wir ein neues Einsaatzzentrum erhalten. Knapp 10 Jahre später war es so weit, René Putzeys wurde Bürgermeistehistorique4r und konnte sein Versprechen einlösen.

Im September 1981 wurden wiederum ein neuer Krankenwagen (Mercedes) und vor allem aber der neue RW 2 geliefert und der alte Armeetruck konnte außer Dienst genommen werden.

Im Jahre 1983 wurden die ersten Pager getestet und im Jahre 1984 in Betrieb genommen. Dem Einsatzzenter wurden 12 von der Direktion zur Verfügung gestellt und weitere 10 wurden von der Gemeinde Dippach finanziert. Die darauffolgenden Jahre wurden jährlich 12 weitere Pager angeschafft.

1986 wurde die erste Ambulanz des Typs Mercedes Transporter geliefert. Der neue Krankenwagen wurde für die primären Notfälle eingesetzt und der ältere Krankenwagen wurde benutzt um Transporte ins Ausland durchzuführen da der kleinere Krankenwagen sich besser für die langen Fahrten eignen würde.

1989 wurde der SAMU ins Leben gerufen.

1990 zog die Direktion und die Notrufzentrale 012 von der J.B. Esch Straße in Luxemburg zur Cloche d’Or um.  Es wurden auch die Examen für die freiwilligen Amulanciers und Sauveteurs eingeführt.

1991 nahm das Versprechen des neue Bürgermeisters René Putzey langsam Formen an. Es wurde begonnen Pläne zu erstellen und  Geld im neuen Haushaltplan für das Einsatzzentrum einzuplanen. Die provisorische Lösung bestand darin die alten Gemeindengaragen in der rue de Linger zu beziehen, endlich musste man nach 33 Jahren nicht mehr in einem Keller sitzen. Dieses Provisorium ist allerdings im Jahre 2013,  immer noch das aktuelle Einsatzzenter für den Ambulanzdienst.

1992 musste Jean Stempel als Zenterchef aufhören da er die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht hatte, blieb dem aktiven Dienst aber noch einige Jahre erhalten. Als Zenterchef wurde er von Jean-Paul Rischard abgelöst.

1993 war das Einsatzzentrum in Petingen fertiggestellt und man konnte ins Provisorium umziehen in welchem 20 Jahre später noch immer besteht. Dieses Provisorium wurde nie von der Gemeindeverwaltung eingeweiht. Die Telefonnummer der Notrufzentrale war jetzt nicht mehr 012 sondern 112.

1994 demissioniert Jean-Paul Rischard und der wurde von Jean-Marie Mais ersetzt.

2001 wurde der RW 2 nach 20 Dienstjahren durch ein neueres Modell ersetzt.

2004 entstand nach dem Gesetz vom 12. Juni die Administration des Services de Secours welche für die Zusammenführung der verschiedenen Rettungsdienste unter einer Direktion steht. Die Zusammenführung ist bis zum Jahre 2013 noch nicht abgeschlossen. Der Direktor Leon Anen wurde durch Michel Feider ersetzt.

2006 ging die der Posten des Zenterchefs von Jean-Marie Mais nach Marc Muller über.